Immer wieder eine Adelsdebatte

Ich frage mich wieso ist in Österreich etwas möglich, was in Deutschland keine Maus hinter dem Ofen hervorholt. Wieso werden Adelsdebatten bevorzugt in Österreich geführt? Ist das Trauma des Machtverlustes in Österreich wirklich soviel größer als anderswo? Ein Vergleich mit anderen Ländern scheint das zu bestätigen.

Der Umgang mit dem Adel ist in Deutschland scheinbar zwangloser von beiden Seiten. Der historische Adel in Deutschland betont nicht ständig das sie sich ja vom restlichen Volk abheben und im Gegenzug ist ein adeliger Name weder Vor- noch Nachteil. In Ländern mit bestehender Krone wird der Hochadel als Unterhaltungsmaschine missbraucht. In Ländern mit abgeschafften Adel hat der Adel die Zeit erkannt und halten nichts mehr auf ihre ehemalige Titel. Ist Österreich mit dem starken Leitadel der Habsburger derartig traumatisiert?

Der Umgang in Österreich, speziell von Seiten des Adels, ist selbst 94 Jahre nach der Republiksgründung immer noch angespannt mit seltsamen Knistern. Um diese andere Situation zu klären ist es nötig einen Blick in die Geschichte zu werfen, da dort die spezielle Stellung Österreichs leichter nachvollziehbar ist.
Anfang des 20. Jahrhunderts hatte die Familie Habsburg die absolute Leitposition (auch innerhalb des Adels) in Österreich-Ungarn inne. Innerhalb von Europa waren die Habsburger einer der mächtigsten Familien und verwalteten das zweitgrößte Land Europas nach Russland. Sie waren einer der ältesten Adelshäuser mit durchgehender Führungsrolle. Dadurch kann man die Habsburger auch nicht ohne weiters mit anderen Adelshäuser vergleichen. Durch die Niederlage im 1. Weltkrieg, der den Charakter einer Entscheidung des Schicksal der Monarchie bereits am Beginn inne hatte wurde das Ende der Monarchie in (Deutsch-)Österreich unausweichlich. Am 3.April 1919 wurde schließlich das Adelsaufhebungsgesetz im Parlament beschlossen und damit zusammen mit Artikel 7 des Bundesverfassungsgesetz alle Bedingungen geschaffen, wie der frühere Adel behandelt wird.
Die wichtigsten Punkte noch mal kurz aufgelistet:

  • „Alle Bundesbürger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen.“
  • „Aufhebung des Rechts zur Führung des Adelszeichens von“
  • „Der Adel, seine äußeren Ehrenvorzüge sowie bloß zur Auszeichnung verliehene, mit einer amtlichen Stellung, dem Beruf oder einer wissenschaftlichen oder künstlerischen Befähigung nicht im Zusammenhänge stehenden Titel und Würden und die damit verbundenen Ehrenvorzüge österreichischer Staatsbürger werden aufgehoben“
  • „Die Führung dieser Adelsbezeichnungen, Titel und Würden ist untersagt. Übertretungen werden von den politischen Behörden mit Geld bis zu 20.000K (Anm.: Kronen) oder Arrest bis zu sechs Monaten bestraft.“

Zusammen mit dem Entzug des passiven Wahlrechts der Angehörigen des Hauses Habsburg-Lothringen und der Ausweisung der engsten Mitglieder wurde die Demokratie weiter gegen Herrschaftsansprüche der Habsburger geschützt.
Die Einreise wurde sukzessive wieder gewährt, der berühmte Habsburgerparagraph wurde am 16. Juni 2011 aufgehoben. Die Enteignungen lasse ich beiseite da diese am wenigsten am
Selbstverständnis des Adels gerüttelt hat.
Im Vergleich zu anderen Ländern wie Deutschland oder ehemalige Kronländer von Österreich-Ungarn fallen die Bestimmungen strikt und konsequent aus. Durch den im Vergleich zu anderen Ländern stärkeren (nicht zahlenmäßig sondern als Begriff der Macht) Adel wurde und war dies auch notwendig.

Somit sind wir auch schon in der Gegenwart angekommen und können uns endgültig der neu aufflammenden Diskussion ausgelöst durch Ulrich Habsburg-Lothringen widmen.
Mit seinen Vorschlägen offenbart Ulrich Habsburg-Lothringen ein Adelsbild was erschreckend ist. Sowohl von Seite der Antiquiertheit als auch von Seite der Abgehobenheit.

Heutzutage ist es schwer abseits der ererbten Titel einen gemeinsame, verbindende Eigenschaft des Adels zu finden. Man kann weder mit dem Adjektiv adel einen gewissen gemeinsamen Reichtum verbinden, noch eine moralische Instanz (ganz abgesehen davon wieso das eine gemeinsame Eigenschaft sein sollte) oder besonderer Bildung.
Auch wenn man sich noch so bemüht, als gemeinsame Eigenschaft bleibt einem immer nur der ererbte Teil übrig. Abseits von dem ist das Word adel eine reine Worthülse.

Ulrich Ferdinand Gudmund Habsburg-Lothringen (Anm. zur Einordnung: Ur-Ur-Ur-Ur-Urenkel von Königin Maria Theresia und Neffe dritten Grades von Otto von Habsburg) fordert jetzt eine Wiedereinführung der Adelstitel mit dem Vorbild Deutschlands.
Als Argumente bringt er Zitat: <<die Polarisierung zwischen Aristokraten und Nicht-Aristokraten würde gelindert>> und Zitat: <<Eine Gleichstellung der Adelstitel innerhalb der EU muss früher oder später sowieso kommen, da es bei international verzweigten Familien nicht haltbar ist, wenn ein Teil den Adelstitel führen darf und der andere Teil nicht>>.
Ist es nicht Faktum das die bestehende Polarisierung die zu Teilen noch vorherrscht immer noch vom Adel angetrieben wird (dies in Erinnerung behalten bis zu der zweiten Forderung von Ulrich Habsburg-Lothringen). Die nicht adelige Bevölkerung meint es doch mit dem ehemaligen Adel nicht mehr bös‘.
Es wurden eher neue Scheinadelige wie Lugner, Schiller und Hillinger geschaffen. Wenn diese nicht ausreichen werden Adelige aus anderen Ländern wie die englische, belgische und schwedische Krone benutzt um die scheinbar innewohnende Gier zu befriedigen.
In ländlichen Gegend hat sich bis heute die Sprechweise nicht verändert und es wird immer noch vom Graf oder Sonstigem gesprochen, wie ich aus meiner Heimat auch selbst bestätigen kann. Dies entsteht durch eine seltsame Mischung aus alten Gehorsam, Gleichgültigkeit und mangelndem Problembewusstsein indem sich die ehemaligen Adeligen dann meist vortrefflich suhlen.
Mit dem zweiten Argument versucht Ulrich Habsburg-Lothringen ein Problem zu schaffen welches nicht existiert. In zahlreichen Ländern sind die Adelstitel ähnlich zu Österreich abgeschafft. Um nur einige Beispiel zu nennen sind das Polen, Tschechien oder Griechenland die vergleichbare Regelungen getroffen haben. Nach Habsburg-Lothringscher Logik müsste auch für diese Staaten eine Lösung gefunden werden.
Verschiedene Namen ändern nichts an Verwandschaft, Stellung zu einander und Gesellschaftsposition in anderen Ländern. Das Nichtführen des Titels in manchen Ländern hat also keine Auswirkung auf das Leben der betroffenen Personen in der EU. Vermutlich war er sich dieses Problems bei dieser Schwäche des Arguments auch selbst bewusst da er dies auch nicht genauer erläutert hat.

Einmal dem Populismus verfallen legte er am nächsten Tag nach und kam mit folgenden Forderungen / Vorschlägen auf.
Zitat: <<Der Staat solle auch an Titeln verdienen können: So könnte die Republik Fürstentitel um 100.000 Euro oder ein „von“ vor dem Nachnamen um 5000 Euro verkaufen – und zwar an „jedermann“, aber mit zeitlicher Befristung, sagt Habsburg. „Adelstitel werden in Österreich auf zehn Jahre vergeben.“>>
Mit dieser Aussage hat er dem Adel in Österreich einen gehörigen Bärendienst erwiesen. Adelstitel scheinen für ihn so wertvoll zu sein, dass man problemlos hohe Summen verlangen kann. Dadurch unternimmt Ulrich Habsburg-Lothringen einen Versuch die letzte oben erwähnte Bastion des Adels einzureißen. Er versucht dem Adel die Eigenschaft wegzunehmen das man nicht durch Geld zu diesem Kreis hinzustoßen kann.
Die Tür jedem dahergelaufenen Reichem Zugang zum Adel zu verschaffen steht dadurch türangelweit offen. Dies würde einen neuen Geldadel schaffen (der Beamtenadel im 19. Jahrhundert war zum Teil auch Geldadel) der für eine Hülle, die weder vom Adel(es anzuzweifeln das der Adel jemanden akzeptiert der sich den Titel kaufen musste) noch von der Gesellschaft anerkannt wird, ordentlich blechen kann.
Die einen haben ihre alte Standeshinweise zurück, den anderen würden sie zeitlich begrenzt für etwas offiziell Wertloses das Geld aus der Tasche ziehen. Wie soll man da einem ehemaligen Hochadeligen den glauben das er sich für nichts „Besseres“ hält. Da hält man es gern mit Faust der anmerkte: <<Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube>>.
Auf der einen Seite hält er Adel immer noch für etwas besonderes indem er indirekt die Titel so wertvoll hält indem er hohe Summen veranschlagt und damit einen tiefen Einblick in seine Einstellung gibt. Alleine die vermittelte Höherschätzung würde argumentativ bereits genügen die Adelstitel weiterhin zu verbieten.
Solange solche Personen den Artikel 7 des Bundesverfassungsgesetzes nicht akzeptieren muss es eigentlich heißen: „Jetzt erst recht nicht!“. Das wäre einmal eine Trotzreaktion die gerechtfertigt ist. Solange solch elementare Dinge wie die Bundesverfassung in Frage gestellt wird hat man sich auch nichts anderes verdient.

Zusätzlich fordert Ulrich Habsburg-Lothringen Österreich solle zu seiner Geschichte stehen. Herr Habsburg-Lothringen scheint über eine andere Geschichtsschreibung zu verfügen wie in der Schule gelehrt wird. Die Habsburger-Monarchie wird im demokratischen-republikanischen Geschichtsunterricht umfassend beleuchtet und großteils in einem positiven Licht dargestellt. Man lernt aber auch zu gut über die negativen Seiten um sie zu vergessen.
Die Österreicher wissen einfach zu gut um Gegenreformation, Metternich und Polizeistaat um zu vergessen was sie an der Demokratie haben. Die Abschaffung der Adelstitel hat sich in Österreich historisch als nötige Umsetzung herausgestellt die sich später bewährt hat. Man soll also den Aufruf sich auf seine Geschichte zu besinnen ernst nehmen und daraus an der Beibehaltung des Adelsaufhebungsgesetz festhalten.
Die Habsburger, von denen solche Diskussionen immer kommen, haben scheinbar das Trauma noch nicht überwunden entmachtet geworden zu sein. Lassen wir ihnen noch etwas Zeit andere Adelshäuser haben auch einmal gelernt sich der neuen Situation zu fügen, auch die Habsburger können das schaffen. Solange als Gründe für die Wiedereinführung der Titel nur ehemalige verletzte Gefühle und Herrschaftsdenken stecken sollte man die Diskussion gar nicht zu ernst nehmen. Trotzdem bin ich gespannt auf seinen Vortrag am Samstag. Wenn keine neuen „Erkenntnisse“ auftauchen werde ich dieses Thema ruhen lassen.

Dies ist ein Kommentar und spiegelt daher die persönliche Meinung des Autors wieder!

Quellen:

Kurier – Habsburg will Adelstitel wieder einführen

Presse – Ein Fürstentitel um 100.000€

Wikipedia – Adel

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15 Kommentare
  1. Naja die österreichische Monarchie war bis zu ihrem Ende nicht wirklich unbeliebt bei den Westmächten. Nicht umsonst haben Briten Kaiser Karl I aus Österreich in die Schweiz eskortiert, als das Heer sich weigerte, ihn vor einem eventuell aufgeheizten Mob zu schützen. Also denke ich schon, dass es zumindest mehr Reaktion auf einen deutschen Angriff gegeben hätte als der magere Protest Mexikos. Außerdem hätten die Österreicher auch einen Grund zu kämpfen. Anschlussgedanken wie nach dem WK1 gab es ja in der Monarchie nicht in dieser Form. Bloß wegen der kleinen, lebensunfähigen Republik wollten die Menschen zu Deutschland. Wäre die Monarchie noch existent gewesen, hätte Hitler sicherlich nicht den Rückhalt im Volk gehabt, den er letztlich gehabt hat.
    Dass die Sowjetunion geholfen hätte, bezweifle ich stark, schließlich war sie zu dem Zeitpunkt ja noch mit dem „Dritten Reich“ verbündet, was sich ja erst mit dem Angriff Hitlers auf die UdSSR änderte. Man führte damals ja noch mit deutscher Hilfe Krieg gegen finnische Separatisten und Hitler und Stalin gaben sich als Freunde. Dass die Sowjets von anfang an gegen die Nazis waren ist ja auch ein Mythos, der heute leider in vielen Köpfen herumschwirrt. Eine Kriegsbeteiligung der Sowjets an der Seite Deutschlands war bis 1941 keineswegs unwahrscheinlich!
    Da der Sowjetkommunismus nur Totalitarismus und die Verfolgung politisch andersdenkender – sowie ethnische Säuberungen, vor allem in den 30ern – hervorgebracht hat, ist es klar, dass die Österreicher von einem sowjetischen Einmarsch nicht begeistert gewesen wären. Wusstest du zB dass die am meisten verfolgte nationale Minderheit in den 1930ern nicht die Juden in Deutschland sondern die Polen in der Sowjetunion waren, weil Stalin und Berija die fixe Idee hatten, dass alle Polen nationalistische Spione seien? Polen wurden deportiert und erschossen, nur weil sie Polen waren. Zur selben Zeit wurden die Kasachen und Ukrainer ausgehungert. Also ob die Angst vor den Kommunisten so unbegründet war, daran habe ich starke Zweifel…

    • Ob jetzt die Eskorte in deinem ersten Satz an allgemeiner Sympathie für die Monarchie oder einfach ein Dienst in befreundeten Kreisen war kann ich nicht beurteilen. Dazu habe ich darüber zu wenig wissen.
      Wie ich aber schon geschrieben habe weiß ich zwar nicht wer am ehesten interveniert hatte aber die Wahrscheinlichkeit wäre in der Tat höher gewesen also unter den existierenden Umständen.

      Die Anschlussbestrebungen waren in der Tat durch den Verlust des imperialen Reiches bei großen Gruppen bedingt (vermehrt im Osten von Deutschösterreich). Ich empfinde das aber als gefährlichen Gedankenschluss. Der Anschlusswillen der in der ersten Hälfte der 20er Jahre stark war ist speziell auch nach der Machtergreifung durch Hitler in Deutschland in Österreich stark gesunken. Die Österreicher hatten also einen Grund zu kämpfen sie brauchten nicht noch einen zusätzlichen. Deutschnationale hätte es in der Monarchie auch gegeben.

      Das die UdSSR nicht geholfen hätte habe ich ja auch geschrieben.
      Eines ist mir in deinem Text aber schon unklar. Du sprichst von einem Bündnis zwischen der UdSSR und dem Deutschen Reich im Jahr 1938 als Österreich angeschlossen wurde. Entweder ich verstehe dich nicht oder du bauscht einen kleinen Vetrag zu einem Bündnis hoch.

      Auch der Kampf gegen finnische Seperatisten (du hast sie so genannt) war doch erst nach 1938.
      Die These das ein Kriegseintritt der Sowjetunion auf der Seite des Deutschen Reiches nicht unwahrscheinlich war höre ich zum ersten Mal. Nur zur Erinnerung:
      Beistandspakt zwischen Frankreich und der Sowjetunion 1935
      Umfangreiche Verhandlungen zwischen Frankreich, Großbrittanien und der UdSSR 1939
      Zeitkauf für die Sowjetunion durch den Hitler-Stalin-Pakt

      Ich weiß schon auf was du wahrscheinlich hinauswillst. Wieso Molotow in der offiziellen Linie umgeschwenkt ist, ist nicht so einfach zu sagen.
      Abgesehen von der vorherrschenden Bündnispolitik waren die regionalen Interesse des deutschen Reiches und der UdSSR diametral.

      Die Ängste waren natürlich nicht unbegründet. Die Verfolgung von politisch Andersdenken in der Sowjetunion ist einzigartig.
      Es gibt wenige Beispiele in der Geschichte mit einem derartig weitgetriebenen System der Verfolgung. Man darf aber nicht den Fehler machen die Morde der Nationalsozialisten mit den der Sowjetkommunisten aufzurechnen.
      Ob jetzt Nationalsozialisten oder Stalinisten in Österreich reagieren hätte kaum einen Unterschied gemacht.

      • Ja mag sein dass der Hitler-Stalin Pakt erst später entstand. Aber auch an der aufteilung Polens sieht man, dass UdSSR und Drittes Reich einander nicht wirklich abgeneigt waren.
        Naja ganz ehrlich, ich denke Mord ist Mord und die Opfer der Sowjets waren genauso unschuldig wie die der Nazis. Ich verstehe nicht, wieso die Verbrechen der Nazis – so schlimm sie waren – immer außerhalb eines jeden vergleichs stehen sollen und die Verbrechen anderer damit immer verharmlost werden können. Klar die Morde der Nazis erreichten eine extreme Dimension durch die industrialisierung des tötens. Trotzdem finde ich, dass das nicht entschuldigen kann, dass die Sowjets 150 Millionen Menschen ermordet haben, und andere kommunistische Länder auch. Dass Anhänger des Kommunismus heute noch immer sagen können: „aber die Nazis….“ und damit die Verbrechen ihrer eigenen Gesinnungsgenossen entschuldigen und damit durchkommen. Bei allem Mitgefühl für die ermordeten Juden verstehe ich nicht, wieso das Leben des ermordeten Kasachen oder Ukrainer oder Polen, der in der UdSSR erhängt, erschossen oder systematisch zu Tode gehungert wurde weniger wert und der Tod weniger tragisch sein soll und der Mord mit dem Argument verharmlost werden soll, dass die Nazis schlimmer waren. Ich weiß, man darf heutzutage die Verbrechen der Nazis nicht vergleichen und vielleicht war das in den Jahrzehnten als die Ideologie der Nazis noch nicht allgemein verurteilt worden ist auch nötig, aber ich denke, irgendwann sollte man auch die Verbrechen anderer aufdecken und nicht einfach sagen, alles war besser als die Nazis. Wer mein Weblog kennt weiß, dass ich keineswegs die Absicht habe, irgendwas zu verharmlosen was die Nazis getan haben. Trotzdem finde ich, dass es wichtig ist, auch die Verbrechen der 150 Millionen Opfer des Kommunismus, die 10 Millionen Opfer der Belgier in Belgisch-Kongo usw, aufzudecken und auch die Opfer dieser mörderischen Regimes entsprechend zu würdigen. Die Sowjets haben innerhalb von 2 Jahren 3 Millionen Menschen zu Tode gehungert, weil sie in ihnen „Klassenfeinde“ sahen, obwohl diese Menschen größtenteils unpolitisch waren. Nur wenn man über sowas spricht, wird einem gleich verharmlosung des nationalsozialismus vorgeworfen. Das verstehe ich nicht und dafür habe ich kein verständnis. Menschenleben sind alle gleich viel wert! Das muss uns im 21. Jahrhundert einfach klar sein!

        Naja dass die Österreicher so ganz gegen den Anschluss waren, als die Nazis die Macht ergriffen, stimmt nicht ganz. Es gab durchaus Begeisterung für die Nazis, vor allem für ihre sozialen Aktionen. Und hätten sie eine Regierung, an die sie geglaubt haben bzw eine stabile staatsform, wäre der Anschluss nicht so attraktiv gewesen. Man muss beachten, dass es während der Monarchie so gut wie keine Bestrebungen seitens des Volkes gab, die Monarchie abzuschaffen und in der Republik, vor allem in dieser Republik, in der Rote und Schwarze sich permanent bekämpft haben, war instabil und wurde auch vom Volk so gesehen. Der wegfall der monarchie war also durchaus einer der gründe für die begeisterung des Volkes für die Nazis und den Anschluss.

        • PS: Weil Bundeskanzler Dollfuß die etablierung eines autoritäten Staates immer vorgeworfen wurde: Ich hatte während meinem Geschichtsstudium eine interessante Vorlesung über die Geschichte der 1. Republik in Österreich. Darin wurde gesagt, dass die Stimmung in Österreich 1934 so war, dass, hätte es damals als das Parlament sich „selbst ausgeschaltet“ hat, Neuwahlen gegeben, die NSDAP (bzw DNSAP wie sie damals soweit ich mich erinnere in Österreich hieß) die Wahlen gewonnen hätte und das einer der Gründe war, wieso Dollfuß die Regierungsform änderte und einfach keine Wahlen mehr veranstaltete. Das soll den Totalitarismus den er etablierte und die unversöhnlichkeit richtung links keineswegs entschuldigen, aber es zeigt doch, dass die Nazis durchaus eine nennenswerte Anhängerschaft in Österreich hatten. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass dies nicht der Fall gewesen wäre, wenn die Monarchie noch bestanden hätte. Das ist es, was Stefan Zweig mit der „gehässigkeit“ meint, die nach dem ersten Weltkrieg einzug in die politische Landschaft Österreichs einzug gehalten hat. Wie es geschah, konnte es nur in einer Republik geschehen, und zwar nur in so einer, hinter der niemand stand, die keiner in dieser FOrm wirklich wollte. Diese Republik hatte weit weniger Rückhalt im Volk als die Monarchie, da kann man sagen was man will. Verstehst du was ich meine?

      • PS: Dass das Bündnis zwischen Drittem Reich und UdSSR mehr als nur ein nichtangriffspakt war sieht man auch daran, dass zB Sowjetische Spezialeinheiten in Deutschland ausgebildet wurden. Und in der Teilung Polens sieht man, dass Hitler und Stalin durchaus die Absicht hatten, die Grenzen Europas GEMEINSAM neu zu ziehen. Schon mitte der 30er wurde Krieg der Sowjets gegen die Finnen gefdührt, damals noch unterstützt durch deutschen Nachschub. Erst als Deutsche und Sowjets Krieg gegeneinander zu führen begannen, begann Deutschland, die Finnen zu unterstützen.
        Ein Buch dazu kann ich dir empfehlen, nämlich „Bloodlands – Europa zwischen Hitler und Stalin“ da geht es genau darum, wie Sowjets und Nazis sich zuerst Seite an Seite quer durch Osteuropa gemetzelt haben, bevor sie beschlossen, Krieg gegeneinander zu führen.

      • Ich interpretiere die Aufteilung Polens (und anderen Gebiete) auf zum größten Teil auf machtpolitischen Interessen basierend an. Die Sowjetunion bekommt Zugriff auf teilweise alte Gebiete die ehemals zum Zaren-Russland gehört. Das deutsche Reich kann einige alte deutsche Städte zurückholen und konnte ebenfalls in ehemaligen Machtsphären wieder Macht ausüben.
        Ich tue mich schwer dies als Akt des Nicht-Abgeneigt sein zu akzeptieren, gebe aber zu das es sich so interpretieren lässt wenn man die gegenseitige Machausweitung für den Preis der Eigenen in Kauf nimmt.

        Zu deinem zweiten Teil teile ich wie du auch aus meinem Text oben lesen kannst genau deine Meinung. Ich teile in diesem Bereich auch deine Emotionalität verstehe aber nicht wieso du mir diesen Text schreibst. Ich habe dadurch das Gefühl du würdest mir das nicht abnehmen, dass ich dies so sehe oder dass du denkst ich würde das nicht so sehen.

        Ich habe nicht gesagt das die Österreich allgemein gegen den Anschluss waren. Die Freude darüber war nur geringer als uns Nazi-Propoganda einreden möchte. Einige haben sich ganz österreichisch einfach gefügt. In Österreich waren nie mehr als 10% Mitglied der NSDAP in (West-)Deutschland waren es gut 25%. In Gesamtdeutschland liegt der Wert noch höher da die Akzeptanz in Pommern, Vorpommern, Mecklenburg oder Chemnitz-Zwickau. Die Gestapo hat (die natürliche dazu tendiert höhere Anhängerschaft zu schätzen – das habe ich von Wikipedia und wusste ich vorher nicht) die Anhängerschaft auf 30% in Österreich geschätzt. Der Anteil der Gegnerschaft in Österreich ca. 30-40%. Wäre die SDAPÖ und die KPÖ nicht verboten worden wären noch weniger Richtung NSDAP (die zuerst auch verboten war) abgewandert.
        Bei der letzten demokratischen Wahlen 1930 ( http://www.bmi.gv.at/cms/BMI_wahlen/nationalrat/files/Geschichte/NRW_1930.pdf – Tabelle 27) erreichten die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 3% der Stimmen. Bei der Reichtstagswahl 1930 in Deutschland erreichte sie 18,3%. Bei den letzten gesicherten Zahlen war also der Zuspruch deutlich geringer. Wie du aus Tabelle 53 entnehmen kannst war der Zuspruch zu deutschnationalen Gruppen 1919 höher als 1930 und auch 1927 höher als 1930.
        Die deutschnationalen Gruppen waren in Österreich in den 1930ern weniger stark wie gerne dargestellt. Nur weil eine Gruppe viele Aktionen gesetzt haben die Aufmerksamkeit erregt haben bedeutet das nicht das sie viel Rückhalt haben.
        Die erreichte Stärke von NSDAP Mitgliedern in der Ständestaatsregierung ist hauptsächlich auf den Druck aus dem deutschen Reich zurückzuführen. Man kann daraus nicht einen Rückhalt in der Bevölkerung herausfolgern.
        Auch Schusschnigg hat eine Mehrheit gegen den Anschluss erwartet. Wenn nicht hätte er kaum versucht eine Volksabstimmung zu starten. Erst diese Volksabstimmung und der Punkt das sich auch Hitler nicht sicher war ob eine Mehrheit zusammenkommen würde für den Anschluss hat ja erst für den schnellen und ungeplanten Einmarsch geführt.

      • Ja der Hitler-Stalin-Pakt war mehr als ein Nichtangriffspakt. Er enthält neben den Nicht-Angriffs-Regeln, noch sehr konrete Gebietsaufteilungsregeln und Ausbildungsvereinbarungen.
        Welchen Krieg Mitte der 30er Jahre meinst du eigentlich.
        Ich kenne nur den Winterkrieg in den Jahren 1939/40 in dem die Deutschen tatsächlich mitgeholfen haben. Das war aber vor dem Hitler-Stalin-Pakt kaum ausgemacht. Nicht umsonst hat der finnische Außenminister Rudolf Hosti 1938 noch vor einem Krieg zw. Deutschland und der UdSSR gewarnt. Er wollte Unterstützung da er glaubte die UdSSR würde nicht warten und Finnland und andere Staaten im Osten erobern um sich einen Verteidigungspuffer gegen das Deutsche Reich zu bilden.
        Ein gemeinsamer Plan den du in die Mitte der 30er Jahre ziehst sehe ich erst mit dem Hitler-Stalin-Pakt und nicht vorher.

        Danke für die Buchempfehlung. Ich werde mir dieses Buch einmal durchlesen.

  2. Du scheinst mir ein gebildeter Mensch zu sein, auch wenn wir offensichtlich nicht einer Meinung sind. Vielleicht interessiert dich mein Blog, welches sich auch mit Geschichte und Politik beschäftigt: http://truehistoryblog.wordpress.com . Es wäre mir eine Ehre, wenn du mal vorbeischaust!

    • Dieses Kompliment kann ich nur zurückgeben. Ich habe mir alle deine Blogeinträge durchgelesen und in den meisten von dir dargestellten Fakten kann ich dir zustimmen. Wie du schon festgestellt hast unterscheidet sich die Schlussfolgerung aus diesen aber oft von deinen. Das ist aber nichts verwerfliches sondern ergibt einen gewissen Reiz. Ich werde dir aufjedenfall folgen. Es scheint sich auszuzahlen.

      • Vielen dank, ebenfalls! Auch ich werde deinem Blog in jedem fall folgen und ab und an einen Kommentar schreiben

  3. Dazu muss ich etwas sagen. Erstens widerspricht sich Monarchie und Demokratie nicht. Zweitens geben in Deutschland Leute Unsummen aus um sich von Adeligen adoptieren zu lassen und den Titel führen zu dürfen. So allein würde Österreich also nicht da stehen. Drittens tut es niemandem weh, wenn vor manchen Vornahmen ein „von“ oder „zu“ steht….wozu also historische Namen beschneiden. Privilegien sind damit ohnehin nicht verbunden – in keinem Land Europas.
    Viertens ist es eine Schweinerei, was im Zuge des Adelsaufhebungsgesetzes mit den Habsburgern gemacht wurde. Engagierten, demokratisch denkenden Menschen wie Otto (von) Habsburg-Lothringen wurde jahrzehntelang verboten, ihr Heimatland zu betreten und sein Eigentum und das seiner Familie wurde ihm von der Republik gestohlen, ja er genoss sogar WENIGER Rechte als jeder andere Bürger. Womit hat er das verdient? Wohl nur durch die Tatsache wer sein Vater war. Ist das nicht rassistisch? Dabei wurde vergessen, wiesehr Otto (von) Habsburg sich vor und während der Nazizeit für Österreich eingesetzt hat. Wenn Adel an Verdienste und nicht an Abstammung gebunden wäre, hätte er den Adel auf jedem Fall verdient!
    Viele gute Aspekte der Habsburgermonarchie wird heute heruntergespielt oder schlichtweg verschwiegen, um die Illusion des Idealbilds Republik erhalten zu können.
    Kam Hitler an die Macht, als Österreich (und Deutschland) Monarchie war oder Republik? Welche Verdienste hat die Republik vorzuweisen? Das einzige was mir einfällt, was nicht aus der Monarchie stammt ist das Frauenwahlrecht….und das hätte es in einer Monarchie Österreich früher oder später auch gegeben.

    • Monarchie und Demokratie widersprechen sich natürlich nicht. Das war auch nicht der Punkt in meinem Text. Ein Monarch wäre durchaus in der Lage als Regulativ zu wirken wenn es im demokratischen Entscheidungsfindungsprozess kracht. Es wäre auch möglich die Ziele von kurzfristigen auf langfristige Betrachtungen zu lenken. Ein Punkt bleibt in der Realität trotzdem weiter übrig (es mag davon Ausnahmen geben die ich nicht kenne).
      Der Anspruch als solch ein Monarch an der Spitze zu stehen wird weiterhin über vererbte Rechte weitergegeben.
      All diese Aufgaben die ich oben erwähnt habe kann aber auch eine gewählte Spitze ausüben. Es besteht keine Notwendigkeit diese Rolle von einem Monarchen ausüben zu lassen.

      Der angeführte zweite Punkt lasse ich unkommentiert. Ich habe nie behauptet das es Leute gibt die denken es würde ihnen einen Vorteil verschaffen.

      Es geht auch nicht um weh tun. Es geht, wie ich im Text geschrieben habe, unteranderem darum, dass solange der Erbadel die Titel für so wichtig hält das man sie für viel Geld kaufen können soll die Titel nicht als Namen sehen wie gerne suggeriert wird sondern als Auszeichnung. Es ist also kein historischer Namensteil dem keinen schmerzt wenn er zurückkehrt sondern weiterhin ein Abhebungsmittel. Das keine rechtlichen Vorrechte existieren sollte selbst verständlich sein.

      Die Konsequenz in der Behandlung der Habsburger ist aus heutiger Sicht tatsächlich schwer zu verstehen. Insbesondere der Landesverweis der über Jahrzehnte aufrechterhalten wurde war aus meiner Sicht übertrieben (ich weiß natürlich das es auch die Entente sicherstellen wollte das Habsburg-Lothringen einen Herrschaftsanspruch stellen kann – das wird wenn es um die Bewertung der Verbannung geht häufig ignoriert – nicht nur die Republik wollte dies auch die Siegermächte haben das gefördert). Ob das Eigentum gestohlen wurde ist eine Sache der Ansicht. Wenn eine Eigentumsaneignung durch nichtdemokratische Prozesse zustande gekommen ist, ist dieser Besitz aus demokratischer Sicht nicht rechtsmäßig. Die meisten Besitztümer des Adels sind durch historische Prozesse bedingt. Man kann also von der Wortwahl her nicht von Diebstahl sprechen wenn eine Republik Besitztümer enteignet die nicht rechtmäßig angeignet wurden. Grundbesitz des Adels ist als Folge der Macht der Herrschaft über Menschen entstanden (ganz unabhängig von der Grundlage des Herrschaftsanspruchs).

      Das rechne ich Otto Habsburg persönlich hoch an das er sich so aktiv gegen das nationalsozialistische deutsche Regime aufgetreten ist. Dies hat er zwar in seiner Rolle als Legitimist getan was leider in ihrem Blogeintrag etwas untergeht dies soll seinen Einsatz aber nicht mindern. In diesem Zusammenhang wäre mir persönlich lieber gewesen er hätte aktiv gegen den Anschluss kämpfen dürfen (Schuschnigg hat das verbrochen).

      Ich bin mir auch der guten Punkte der Habsburgermonarchie durchaus bewusst. Ich habe hohen Respekt vor der Förderung von Kunst, Wissenschaft und Technik unter der Regentschaft von Franz-Josef I. Er hat langfristig gedacht und mit diesem fortschrittlichen Zielen Österreich eine jahrzehntelangen Vorsprung aufgebaut von dem Österreich in der ersten Republik zehren konnte. Ich vergesse aber auch nie die allgemeinen Vorteile einer Monarchie und auch nicht die der in Österreich.

      Als Hitler in Österreich an die Macht gab es in Österreich weder eine Demokratie noch eine Monarchie. Ich hoffe das sollte keine Fangfrage sein! In Deutschland kam er zwar durch einen demokratischen Prozess an die Macht (Pakt zwischen NSDAP und der DNVP) hat aber dann die undemokratisch die Macht an sich gerissen. Hitler hätte genauso auch eine konstitutionelle Monarchie stürzen können. Auch da hätte sich kaum eine Monarchie als wehrhafter erwiesen.
      Ich habe das Gefühl sie sehen das anders.

      Eine Demokratie bietet die Möglichkeit des steuernden Eingriffes des Volkes bei Fehlentwicklungen(das ist der wichtigste Punkt – dadurch wird Korruption, Misswirtschaft bekämpft und Transparenz geschaffen). Eine Demokratie verfügt über eine immens höhere Repräsentativität und Responsivität durch die sie auftauchende Probleme direkt aufgreifen kann(was sie nicht immer auch tut). Eine Demokratie würde auch erlauben das sie abstimmt die Demokratie abzuschaffen. Die Demokratie hat alle Ständezuordnungen abgeschafft. Die Demokratie hat erst ermöglicht das wohlfahrtsstaatliche Elemente durchgesetzt werden können.
      Die Demokratie hat ermöglich, dass sich jeder an den Entscheidungsfindungsprozessen beteiligen kann.

      Leider hat sich meine Antwort etwas in die Länge gezogen.

      • Nun, ganz ehrlich, ich denke nicht, dass Hitler es geschafft hätte eine Monarchie zu stürzen – weder in Deutschland noch in Österreich. Österreich allein deshalb nicht, weil die Habsburger sich sicher aktiv militärisch gewehrt hätten, und auch wenn sie vermutlich militärisch allein keine Chance gehabt hätten, so wären ihnen sicher andere Länder zu Hilfe gekommen. Es ist ja bekannt, dass sich gegen den Anschluss, wie er wirklich geschah, auf der ganzen Welt nur Mexiko gestellt hat.
        Ja vielleicht war es ein Fehler, dass Schuschnigg sich nicht gewehrt, sondern nur protestiert hat. Otto von Habsburg wollte ihn ja dazu bringen, militärischen Widerstand zu leisten und Schuschnigg war überzeugter Monarchist. Trotzdem ist klar, dass das Bundesheer gegen ein aufgerüstetes Deutschland und die Wehrmacht keine Chance gehabt hätte. Wenigstens hätten wir uns dann zurecht als Opfer darstellen können (so wie zB Dänemark, dass sich militärisch auch nur symbolisch gewehrt hat, dessen großteil der bevölkerung für die nazis war und das sich dennoch heute als opfer und besetztes land präsentieren darf).
        Darin dass Otto von Habsburg als Legitimist gegen die Nazis war sehe ich eigentlich kein Problem – jedenfalls weniger Probleme als bei Leuten die als Kommunisten gegen die Nazis waren. Das liegt wohl daran, dass ich dem Legitimismus selbst auch nahestehe – Geschmackssache würde ich sagen.
        Nun ja, dass die Siegermächte die strenge mit den Habsburgern nach dem WK1 gefordert haben ist so nicht ganz korrekt. Zumindest war es nicht immer so, waren Briten und Amerikaner doch auch während dem zweiten Weltkrieg einer nachkriegs-Restauration und der Bildung einer „Donauföderation“ unter den Habsburgern nicht abgeneigt. Wie der Historiker Francoid Fejtö schreibt, waren es vor allem tschechische Nationalisten (allen voran Benes und Masaryk), die aktiv gegen die Monarchie waren und nach dem ersten Weltkrieg und während dem zweiten Weltkrieg aktivst im Westen Stimmung gegen die Habsburger gemacht haben. Jedenfalls war es nach dem ersten Weltkrieg alles andere als klar für die Siegermächte (außer Frankreich), dass Österreich-Ungarn zerschlagen werden müsse – die Briten wie die Amerikaner hofften immer noch, dass ein starker Donaustaat einem expansionistischen Deutschland entgegengestellt werden könnte.
        Und von wegen Eigentum: großes Eigentum wird meistens auf Kosten anderer Menschen angehäuft, das ist nichts besonderes. Das kann man den Habsburgern oder anderen Monarchen nicht spezifisch vorwerfen. Und es entschuldigt nicht, dass Kaiser Karl I (das war derjenige, der den Krieg beenden wollte und sehr offen für Veränderungen demokratischer Art war) auf Madeira in ärmsten Verhältnissen in einem ungeheizten Haus sterben musste, weil er nicht imstande war, den Arzt zu bezahlen! Verstaatlichung gewisser Güter wie Schönbrunn schön und gut, aber eine Familie in tiefste Armut zu schicken und dann aus dem Land hinauszuwerfen, sowas geht einfach nicht – vor allem, wenn sie sich nichts zuschulden kommen haben lassen. Das meine ich mit „die Republik hat ihnen ihr Eigentum gestohlen“ – und ihre Heimat, und ihre Lebensgrundlage. Ich möchte das nur klarstellen. Dass einer Familie ein Resiepass ausgestellt wurde, der auf ein Land läuft, aber mit dem Zusatz, dass er in allen Ländern außer eben diesem Land gilt, und zwar nicht nur dem ehemaligen Kaiser, sondern auch seinen Kindern und Enkeln, die ja so wirklich gar nichts dafür können, ist eine Grausamkeit sondergleichen! Das war sicherlich nciht die Sternstunde der Republik und schon gar nicht der Demokratie. Genauso, dass mitglieder der familie Habsburg bis vor kurzem nicht zu Wahlen zum Präsidenten antreten durften und ihnen damit ein Recht genommen worden ist, das sonst JEDEM Staatsbüger zusteht ist nicht nachvollziehbar und stinkt sehr nach irrationaler Habsburgphobie und kindischen Rachegelüsten.

        • PS: Dass Otto von Habsburg überzeugter Demokrat und anhänger des parlamentarischen systems war, zeigt sich ja auch daran, dass er jahrzehntelang Europaparlamentarier war. ICh weiß, du hast nie was anderes gesagt, aber das wollte ich nur ergänzen. Danke 🙂

        • Ob Hitler gegen eine Monrchie putschen hätte können wäre natürlich eine Frage gewesen wie hoch der Rückhalt im Militär für ihn gewesen wäre. Wie ich zugebe die Wahrscheinlichkeit wäre in Deutschland wohl höher gewesen als in Österreich. In Deutschland kann ich mir einen ausreichenden Rückhalt für einen erfolgreichen Putsch vorstellen. Ist und bleibt aber Spekulation von meiner und wie auch von deiner Seite und ist auch als solche zu behandeln.

          Natürlich hätte Österreich gegen das Deutsche Reich keine Chance gehabt. Es wäre nicht nur eine Frage der Optik gewesen. Es wäre auch eine Klarstellung gewesen das Österreich frühere Großmachtsphantasien abgelegt haben.
          Ob Österreich im militärischen Verteidigungsfall Unterstützung bekommen habe bezweifle ich dann aber doch stark. Die dafür entscheidenden Westmächte die sich 1919 den Anschluss verboten haben waren 1938 bereits so vor Schreck erstarrt, dass sie sich auf lächerliche Protestnoten beschränkt haben. Da wäre wohl nur die Sowjetunion übriggeblieben. Es wäre wohl weder die Sowjetunion für so ein kleines Land in den Krieg gezogen noch wären die Österreicher begeistert gewesen. Die langjährige Propoganda vom bösen kommunistischen Russen war bereits 1938 erfolgreich in den Köpfen.
          Wer hätte also Österreich aktiv militärisch unterstützen sollen?

          Mein Einwurf, dass die Siegermächte die Strenge mit den Habsburgern gefördert haben, habe ich erstens zu hart geschrieben und zweitens hast du aus dem Wort „gefördert“ das Wort „gefordert“ gemacht was eine ziemliche Bedeutungsverschiebung mit sich gebracht hat.
          Die von die gezeichnete Rolle der Engländer und Amerikaner kann ich prinizpiell so teilen. Dass die ehemaligen Kronländern als Geschädigte von Österreich-Ungarn (darunter eben speziell die Tschechen die immer sehr kritisch gegenüber von Österreich waren) einen harten Umgang mit den Habsburgern, im eigenen Interesse, gefordert (diesesmal stimmt es) haben ist korrekt. Ich habe da das Gefühl in diesem Gefühl hast du mehr Wissen als ich.

          Eine Restauration einer Donauföderation war eine Forderung aus groß-politischem Interesse. Sie hätte eine Schwächung der Sowjetunion bedeutet die im Interesse ins besondere der Amerikaner gewesen wäre. Bin mir da nicht sicher ob das aus echten Sympathien gegenüber den Donaurepubliken gefordert wurde. Nebenbei erwähnst du ja auch gleich noch den zweiten Punkt an dem es wahrscheinlich gescheitert wäre. Es waren die Nationalisten die sich nach der gewonnen Freiheit kaum wieder untergeordnet hätten. Umfassende Autonomierechte wären die einzige Möglichkeit solche eine Konstruktion zusammenzuhalten.

          Auch heutzutage wird großes Eigentum meistens auf Kosten anderer Menschen angehäuft. Das stimmt, rechtfertigt es aber weder heute noch dazumals.

          Die Massnahmen gegen die Habsburger waren in der Tat hart. Wie sollte man aber auch sonst eine Republik vor monarchischen Machtansprüchen schützen frage ich mich da. Das Habsburgergesetz hat genau festgelegt das jeder der die Mitgliedschaft im Hause Habsburg-Lothringen zurücklegt und jeden Herrschaftsanspruch zurücklegt nach Österreich zurückkehren kann (wie du ja weißt genau dies was Otto Habsburg-Lothringen 1961 dann gemacht hat).
          Das Karl I so sterben musste lag wohl eher an der geringen Solidarität innerhalb des europäischen Adels. Es gibt meinen mir bekannten Punkt der verhindert hätte das sein Lebensabend durch andere Adlesfamilien gedeckt wird (immerhin war er einer der wichtigsten Vertreter des europäischen Adels).
          Es war aber nicht die übermäßige Sternstunde der Demokratie soweit teile ich dass mit dir.

          In deiner einzelnen Antwort gebe ich dir zu 100% recht. Otto Habsburg war überzeugter Demokrat und Europäer.

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